Radschloßpuffer - Nürnberg 1575

Nachbau eines Radschloßpuffers als Paar.
Nürnberg um 1575.
Original in den Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. V.136

Gesamtlänge: 52 cm

Lauflänge: 32,5 cm

Kaliber: 13,5 mm
(35 Kugeln/Pfund)

Glatter, nach vorne runder Lauf, im Kammerbereich mit achteckigem Außen-querschnitt. Radschloß mit gefedertem Pfannenschieber. Die in die Abzugsstange eingreifende Hebelsicherung ist auf der linken Schaftseite angebracht. Schloßplatten und Laufflächen mit geäztem Blatt-, Rank- und Rollwerk verziert, teils feuervergoldet, teils mit Schwarzlot hinterlegt. Hahn, Hahnfeder und Abzugsbügel eisengeschnitten und graviert. Schäfte aus Zwetschgenholz, vollflächig mit gravierten Beineinlagen belegt. Hölzerner Ladestock mit Beindopper. Die Knaufkugeln zusätzlich mit Medaillons und Bändern aus feuervergoldetem Messingguß eingelegt. Die Meistermarken und Nürnberger Beschaumarken wurden durch die Marken von Armin König ersetzt.

Bei dem oben abgebildeten Nachbau eines Nürnberger Radschloßpuffers als Paar handelt es sich um eine besonders aufwändige Arbeit von Armin König. In das Projekt flossen ca. 1500 Arbeitsstunden (pro Pistole ca. 750 h). Das Ziel bei dieser Arbeit war nicht der ungefähre Nachbau der Vorlage, sondern eine extrem detailgenaue Nachbildung bis auf den kleinsten Gravourstrich bei exakt identischer Linienführung und Funktion mit der Originalvorlage. Die Fertigung derart aufwändiger Radschlösser war auch im 16. Jahrhundert eine große Herausforderung und den besten Meistern vorbehalten. Die optimale Abstimmung einer solchen Mechanik erforderte auch zur damaligen Zeit große individuelle und fertigungstechnische Erfahrung, und, bis ein solches Meisterwerk zustande kam, wohl auch die ein oder andere Reklamation. Eine nur irgendwie geartete Nachbildung wird diesen Funktionsanspruch nicht erfüllen können. Die Voraussetzung für einen moderner Nachbau, genau wie das Original zu funktionieren, ist die Nachbildung aller Einzeilteile mit äußerter Präzision, die Erreichung der exakten Federhärte der Vorlage und die Positionierung jeder Schrauben- und Lagerachse auf 1/100 mm genau.



Der Schloßbereich des Nachbaus im Detail. Die Schloßplatte ist mit feingegliederten, floralen Ornamenten geäzt und graviert. Die Hahnfederstudel, die Radabdeckung, der Auslöseknopf für den Pfannenschieber und die Schraubenköpfe sind feuervergoldet.



Ein Vergleich mit dem Original. Oben die beiden Nachbauten. Das Original ganz unten unterscheidet sich lediglich durch die dunklere Patina der Beineinlagen.



Derselbe Vergleich von der Rückseite. Ganz unten das Original. Die Perspektive täuscht hier etwas in den Größenverhältnissen. Deutlich zu erkennen die rückseitig angeordnete Wirbelsicherung, welche mit dem Daumen der Schußhand bedient werden konnte, während man zur Bedienung für die üblicherweise auf der Seite der Schloßplatte liegende Stangensicherung herkömmlicher Radschloßwaffen eine zweite Hand benötigt.



Die Knaufkugeln im Detail. Gravierte Beineinlagen bilden mit den plastisch modellierten, feuervergoldeten Messingbändern und Medaillons eine stilistisch homogene Einheit. Auch hier besitzen Original (links) und Repliken die exakt gleichen Größenverhältnisse.

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