Militärische Radschloßpistole
2. Viertel des 17. Jahrhunderts (um 1640)

Militärische Radschloßpistole, 2. Viertel 17. Jahrhundert. Beschaumarke der Stadt Essen. Lauf möglicherweise Suhl oder Zella. Privatbesitz.

Glatter, im Bereich der Pulverkammer oktagonaler Lauf, in runden Außenquerschnitt übergehend. Schaft aus Nußbaum mit alter Leinölfirnisfassung. Ladestocktülle Abschlußband im Mündungsbereich aus Eisenblech. Hölzerner Ladestock ergänzt. Einfaches Radschloß mit 3-fach verschraubter Schloßplatte und ungefedertem Pfannenschieber. Einseitige Radführungsstudel in 9-Uhr Position. Eine hinter dem Abzugshebel angebrachte Blattfeder dient als rudimentäre Abzugssicherung. Auf Laufoberseite Beschaumarke der Manufaktur Essen. Auf der Laufunterseite tief eingschlagen das Monogramm "HS" des Laufschmiedes.

Außergewöhnlich schlanke und leichte, in den Merkmalen und Maßen sehr typische Reiterpistole aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges nach Suhler Bauart in ausgezeichnetem materiellen und funktionellen Erhaltungszustand. Die Pistole ist ein Beispiel für die Fortschrittlichkeit des Fertigungsverfahrens für militärische Handfeuerwaffen in der zweiten Kriegshälfte.

Abmessungen:

Gesamtlänge: 62,2 cm
Lauflänge: 41,4 cm
Kaliber (Bohrung): 15,1 mm
Kaliber (Kugel): 14,7 -14,9 mm (24 Kugeln/Pfund)
Gesamtgewicht: 1020! Gramm




Die auf der Laufoberseite im Kammerbereich gut sichtbare, etwas verputzte Marke entspricht dem vierpassigen Essener Stadtschwert (bisweilen auch Dolchmarke genannt), welches als Essener Beschaumarke nach der Beschußprobe kalt in die Oberseite des Laufes eingeschlagen wurde (vgl. Stöckel/Heer Bd. 2, S. 1450, Bd. 3, S. 1580). Allerdings unterlief dieser Standardquelle gerade bei der Zuordnung dieses Zeichens ein Irrtum, da die Marke in genau dieser Ausprägung mit Knauf- und Parierkugeln (Stöckel Nr. 4916 u. Nr. 4917) in Bd. 3, S. 1589 als Beschaumarke der Stadt Essen, in Bd. 2, S. 1450 jedoch als Meistermarke dem Herstellungsort Zella (bei Suhl) zugeordnet wird. Zudem weist der "Neue Stöckel" der Schwertmarke in dieser Form lediglich einem Fertigungszeitraum zwischen 1710-1740 zu, welche Annahme bei diesem Waffetypus mit Sicherheit nicht zutrifft. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich die Bauart für militärische Handfeuerwaffen bereits in wesentlichen Merkmalen verändert; die Radschloßzündung war auch mittlerweile durch das Steinschloß abgelöst worden. Die hier abgebildete Waffe kann mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum um 1640 eingeordnet werden.



Das nachfolgende Bild zeigt die Laufunterseite mit den Initialen des Laufschmiedes. Schön sichtbar hier auch eine weitere, für militärische Massenware typische Eigenschaft im Fertigungsverfahren. Während der Lauf auf der Oberseite im sichbaren Kammerbereich sehr exakt oktagonal gefeilt und poliert ist (s. vorhergehendes Bild), wurde die nicht sichtbare Unterseite nur mit groben Feilstrichen rund bearbeitet. Dieses Verfahren sparte erheblich Material und Arbeitszeit, ohne der Waffe funktionell oder optisch Abbruch zu tun.
Auf der Laufunterseite auch ein weiteres Zeichen: eine vom Schäfter mit Feilstrichen erzeugte römische Sieben. Diese Art der Markierung wird bisweilen bei Militärwaffen aus größeren Manufakturen angetroffen und hat ihre Bedeutung darin, daß meist größere Mengen von Läufen als Lot an die häufig außerorts tätigen Schäfter geliefert wurden. Dieser zeichnete dann die roh angepaßten Schäfte mit den Läufen übereinstimmend zusammen, um späteren Verwechslungen nach der Feinbearbeitung vorzubeugen (s. gleichartige Markierungen Suhler Radschloßpistolen bei Hermann Historica, 39. Auktion, Los Nr. 2245 und 43. Auktion, Los Nr. 1762).

Die Zuordnung von Laufschmiedemarken der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist für militärische Waffen in den wenigsten Fällen möglich. So ist auch bei dieser Pistole die in die Unterseite des Laufes auf Höhe der Kammer warm eingeschlagene Marke "HS" mit den Initialen des Laufschmiedes nicht mehr namentlich zuordenbar. Sie ist für Essen auch bisher nicht nachgewiesen. Allerdings gibt es eine Anweisung der Stadt Essen an die dortigen Laufschmiede, deren Meistermarke in warmem Zustand tief in die Laufunterseite einzuschlagen, während die Beschaumarke der Stadt (Schwertmarke) im Bereich der Kammer auf der Oberseite des Laufes eingeschlagen werden sollte. Bezeichnenderweise taucht die Laufschmiedemarke "HS" zwischen 1600 und 1660 auf zahlreichen Läufen aus Suhl und Zella auf (vgl. Stöckel/Heer Bd. 2, S. 1248ff.). Aus diesen beiden Manufakturen wurden nicht nur komplette Waffen, sondern auch auch zahlreiche Halbteile und Läufe exportiert, so daß für den Lauf auch diese beiden Herkunftsorte in Frage kommen.


Die Silhouette der Pistole von oben betrachtet verdeutlicht die außerordentlich schlanke Linienführung dieser Waffe. Die Schäftung im Bereich des Laufes überragt das Rohr seitlich um kaum mehr als 2 mm. Um die Wende zum 17 Jahrh. bis zum Beginn der 1620er Jahre hatten militärische Radschloßpistolen noch relativ dickwandige Läufe, bissweilen auch noch mit kanonierten (verstärkten) Mündungen. Dies bedingte - trotz relativ geringer Kaliber von 13-13,5 mm - eine ungünstige Gewichtsverteilung. Die hier zu sehende extreme Verschlankung in Verbindung mit sehr dünnwandigen Läufen, wie sie ab Beginn der 1630er Jahre vor allem von Suhler Gewehrmachern pefektioniert wurde, führte zu einer bedeutenden Verbesserung der Handlichkeit dieser Waffen. Diese Bauweise erforderte allerdings auch sehr präzise und ausgereifte Fertigungsprozesse, vor allem was die Herstellung der Läufe betraf (dazu mehr weiter unten).




Ansicht des Schloß- und Kammerbereiches der Pistole von oben bei geöffnetem Pfannenschieber. Bemerkenswert ist die genaue Einpassung des Laufes in den Schaft. Auffallend in der Gesamtkonzeption dieser sicher in größeren Stückzahlen gefertigten Militärwaffe ist die Kombination aus scheinbar wenig aufwändigen und damit zeit- und kostensparenden Bearbeitungstechniken (vor allem was die Oberflächen von Schaft und funktionell unerheblichen Teilen anbelangt) und außerodentlicher Präzision in Passung und Oberflächentechnik von Funktionsbereichen. Besonders hier kommt das Können und die Erfahrung der damaligen Handwerker zur Geltung, die manuell und mit vergleichsweise primitiven Werkzeugen schnell, materialsparend und mit erstaunlicher Präzision Arbeiten verrichteten, wie man sie heutzutage, trotz maschineller Unterstützung, (wenn überhaupt) nur näherungsweise und unter großem Zeitaufwand nachvollziehen kann. Ein Umstand, der die meisten modernen Nachbauten so leicht erkennbar macht.




Der gleiche Bereich in der Ansicht von unten. Deutlich zu sehen ist hier der in Längsachse asymmetrische Aufbau der Waffe. Um Platz für das Schloß und den im Schaftinneren bis in den Schloßbereich hineinragenden Ladestock zu schaffen, gleichzeitig um überflüssigen Materialaufbau zu vermeiden, wurden Abzug, Abzugsbügel und Laufbefestigungsschraube auf die linke Schaftseite verlegt.




Detailansicht des Schlosses von schräg oben bei geöffnetem Pfannenschieber. Auffallend die präzise Fertigung, Anpassung und die geringen Toleranzen aller beweglichen Teile. Der Einpassung des nur mit geringer Oberflächentiefe gehärteten Reibrades in die Pulverpfanne und der Formschluß des Pfannenschiebers sind so genau gearbeitet, daß die Pulverpfanne bei eingefülltem Zündkraut nahezu hermetisch verschlossen ist. Beachtenswert, daß das Reibrad zwar 3 Längsriefen, aber keine Spur der sonst meist üblichen Querriefen aufweist. Diese Funktionsspezifität konnte bisher nur bei Suhler Pistolen der letzten Fertigungsphase vor 1634 beobachtet werden. Der Vorteil dieser Bauart ist, daß der relativ weiche Schwefelkies (Pyrit) deutlich weniger beansprucht wird und auch weniger leicht bricht, als wenn er den durch Querrillen verursachten erheblichen Scherkräften und Schlagspitzen ausgeliefert ist. Wie der experimentelle Versuch beweist, ist die Funkengenerierung des Rades trotz fehlender Querriefen enorm. Voraussetzung für die einwandfreie Funktion einer solchen Bauweise sind allerdings ein extrem starker Anpreßdruck der Hahnfeder und eine durch eine sehr starke Radfeder bedingte schnelle Beschleunigung des Reibrades. Beides Merkmale, welche bei weniger qualitativ hochwertigen und ausgereiften Schlössern nicht gewährleistet sind.




Detail des Hahnes mit eingespanntem Pyritstein (Schwefelkies). Zur besseren Fixierung des Steines dient ein Bleilappen (nicht, wie oft fälschlich dargestellt, ein Stück Leder). Gut zu sehen sind hier einige spezifische Merkmale in der Bauweise militärischer Radschloßpistolen, typisch für den Suhler Pistolentyp, welcher in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges auch von der Essener Manufaktur übernommen wurde. So weist der Hahn eine gerade, klare Linienführung ohne jegliche ballusterartige Aufbauchungen auf. Typisch auch die nach hinten geöffnete und von vorne verschraubte, nierenförmige Hahnstudel (Achslager), mit dem nach vorne rechtwinklig aufgebogenen Anschlag für Hahn und Hahnfeder (bei niederländischen Modellen ist die Hahnstudel meist von hinten verschraubt). Die Fertigung von Gewinden stellte damals eine große Herausforderung dar, weil diese quasi kalt gedrückt werden mußten. Das Rundgewinde der Spannschraube für die Hahnlippen weist eine Steigung von durchschnittlich 2 mm auf. Erstaunlich ist die Qualität und Stärke der Hahnfeder, welche nach mehr als 365 Jahren den Feuerstein in aufgeklapptem Zustand noch immer mit einer Kraft von mehr als 10 Kilopond auf das Rad preßt. Bei vielen originalen, aber qualitativ weniger gut gefertigten Radschloßpistolen dieser Zeit ist diese Feder meist erlahmt (oft auch angebrochen) oder war von vornherein weniger druckstark, welcher Umstand sich in eingeschränkter Zuverlässigkeit schon zu Gebrauchszeiten solcher Waffen niederschlug.




Innenansicht des Schaftes nach Herausnahme des Schlosses. Der Schaft ist, wie bei den meisten militärischen Radschloßpistolen dieses Zeitalters aus Nußbaumholz. Die Werkzeugspuren lassen eine recht zügige aber trotzdem präzise Bearbeitung erkennen. Kein Span wurde zuviel abgenommen, aber - mit der Prämisse maximaler Raumnutzung - auch kein überflüssiges Holz stehengelassen. Um bei der schmalen Bauweise zusätzlichen Platz für das Schloss zu schaffen, wurde die Laufhalteschraube einseitig abgeflacht. Der Abzug, im Fingerteil gehärtet und dort mit einer nach hinten angebogenen und gegen das Holz gelagerten Feder versehen, besteht er im Schlossinneren lediglich aus einer mit einem Eisenstift befestigten Blechzunge, in welche die am Schloss befindliche Abzugstange eingreift. Die im Bereich unter der Laufkammer ersichtliche Aufnahme für den Ladestock ist leicht nach unten geschwungen, um durch Klemmwirkung ein selbstständiges Herausrutschen des Ladestocks zu verhindern. In der Schaftausbogung die Markierung des Schäfters mit "römisch VII". Die gleiche Zeichnung, wie auf der Unterseite des Laufes (s. auch Text und Bild unter "Laufmarken" weiter oben). Diese Zusammenzeichnung von Lauf und Schaft war gängig bei der Herstellung größerer Stückzahlen in den deutschen Manufakturzentren wie Suhl oder Essen.




Ansicht des Kolbenbodens. Zu erkennen das Zeichen des Schäfters: vier in Kreuzform eingeschlagene kleine Kreuze. Die Fertigung der Schäfte für militärische Großaufträge (sowohl Musketen-, als auch Pistolenschäfte) erfolgte meist dezentral in kleineren, oft saisonalen Werkstätten, in denen die Schäfter (damals Schafthauer genannt) mit Hilfe der ganzen Familie (und evtl. eines Gesellen) Schäfte für militärische Pistolen und Musketen nach Mustervorlagen in großen Stückzahlen fertigten.




Ansicht der linken Schaftseite. Die Oberfläche weist, trotz ergonomisch sehr gut durchdachter Linienführuing, teilweise nur eine recht grobe Bearbeitung mit Raspel und Feile auf. Auch wenn sich die mit einem Leinölfirnis behandelte Holzart nicht mit Sicherheit bestimmen läßt, ist eine Fertigung aus dem für damalige Pistolenschäfte gebräuchlichen Nußbaumholz wahrscheinlich. Möglich ist allerdings auch eine andere, in Nußbaumton gebeizte Holzart, wie Buche oder Birne. Eine Methode, die für militärische Großaufträge gängig war. Dabei wurde der Schaft aus Rohholz nach der Feinbearbeitung zunächst mit Kalklauge aufgeschlossen, danach mit einem Sud aus Walnußschalen und Erlenholzrinde braun gebeizt und zuletzt mit Leinölfirnis eingelassen. Umlaufend um die Kolbenkappe ist eine feine Nut eigesägt, in welche ursprünglich, als sparsame Schaftverzierung, ein verdrillter Kupferdraht eingeschlagen war. Auf dieser Abbildung ist auch ersichtlich, daß die Schloßplatte von der linken Seite 3-fach verschraubt ist. Eine Befestigungsmethode, welche basierend auf der Charakteristik der Suhler Fertigung, auch in Essen übernommen wurde. Pistolen aus holländischer Fertigung zeigen zwar oft auch eine dreifache Verschraubung der Schloßplatte, können aber zuverlässig durch die von hinten verschraubte Hahnfederstudel unterschieden werden, während bei Nürnberger oder österreichischen (Ferlacher) Modellen fast immer eine 2-fache Verschraubung der Schloßplatte zu finden ist.




Innenansicht des Schlosses. Die Verarbeitung ist außerordentlich präzise, die Funktion auch heute noch tadellos. Das Schloß zeigt keinerlei Verschleiß- oder Abnutzungserscheinungen, die Federn nach wie vor eine außergewöhnliche Stärke.




























Diese Detailstudie zeigt die Radfeder und die zwischen Radfeder und Radwellenexzenter installierte drei-gliedrige Kette des Schlosses in entspanntem Zustand. Der Pfannenschieber ist noch geschlossen.




























Die gleiche Studie nun mit (durch Drehen des Vierkants mit Hilfe eines Spannschlüssels im Urzeigersinn) gespanntem und eingerastetem Rad. Man kann deutlich erkennen, daß sich die Kette nach genau einer 3/4 Umdrehung um die Radwelle gelegt hat und sich die starke Radfeder nun in oberer Anschlagposition befindet. Der Pfannenschieber wurde durch den Radwellenexzenter aufgeschoben, kann jedoch nach Aufbringen des Zündpulvers auf die Pulverpfanne manuell wieder geschlossen werden. Weitere Details zur Funktionweise unter dem Menüpunkt "Radschloß-Funktion".























Ansicht des Laufes von der Mündung, und von hinten, wo er durch die sogenannte Schwanzschraube verschlossen ist. Pistolenläufe wurden (ebenso wie die Läufe von Musketen) aus einer Eisenplatte über einem Dorn rundgeschmiedet und in einer zweiten Hitze verschweißt. Das bereits hohl geschmiedete Rohr wurde dann mit Hilfe mehrerer gehärteter Vierkantbohrer (Neber) unterschiedlicher Stärke auf das genaue Kaliber (in diesem Fall 15 mm oder 24 Kugeln/Pfund) aufgebohrt. Das Zündlich (D = 3 mm!) wurde in heißem Zustand mit einem Dorn eingeschlagen, danach ausgebohrt. In den zur Erweichung nochmals ausgeglühten Kammerbereich des Laufes wurde dann mit großer Kraftanwendung ein Gewinde eingeschnitten (oder besser eingepreßt), in dieses die Schwanzschraube eingeschraubt und bisweilen noch verlötet. Die äußere Form und Oberfläche des Laufes entstand durch Trockenschleifen auf großen Sandsteinen. Konturen und Profile wurden mit Hilfe unterschiedlicher Grob- und Schlichtfeilen erzeugt. Die glatte bis polierte Oberfläche wurde mit Hilfe von Schmirgel (einem zerstoßenen Eisenerz unterschiedlicher Körnung) erzielt, welches mit Baumöl gemischt auf große Eichenholzfeilen aufgetragen wurde. Auf der durch den Schaft verdeckten Unterseite wurde der Lauf relativ roh belassen und weist dort verhältnismäßig grobe Feilriefen auf.

Die linke Aufnahme zeigt die außerordentlich geringe Materialstärke des Laufes, welche in diesem Fall an der Mündung durchschnittlich nur 0,9 mm beträgt, sich nach hinten kontinuierlich verdickt und im Bereich der Schwanzschraube eine Wandstärke von 3,3 mm erreicht (s. rechtes Foto) Die Ausprägung solch geringer Materialstärken war eigentlich eine Späzialität Suhler Laufschmiede, da sie besonders gut mit dem in und um Suhl im Rennfeuer gewonnenen sehr weichen und gleichzeitig zähen Eisen realisiert werden konnte. Diese Fertigungsmethode erreichte in den frühen 1630er den Höhepunkt ihrer Perfektion, allerdings konnten Läufe dieser Qualität nach 1634, dem Jahr der Zertörung Suhls durch kaiserliche Kroatenregimenter, dort für längere Zeit nicht mehr in dieser Qualität gefertigt werden. Die Fertigungsmethode wurde zwar auch danach noch durch abgewanderte Suhler Büchsenmacher weitergeführt und kam z. B. in der näheren Umgebung Suhls (wie z. B. in Zella) weiterhin zum Tragen. Eine Fertigung dieses Laufes im Essener Raum ist zwar wahrscheinlich, allerdings ist auch ein Import des Laufrohlings aus der Suhler Gegend mit Feinbearbeitung, Beschußprüfung und Beschaumarke der Essener Manufaktur möglich. In anderen Fertigungszentren gewonnene Eisenerze, wie z. B. das um Lüttich, waren kaltbrüchiger und ließen solche Fertigungstoleranzen ohne Einschränkung der Haltbarkeit nicht zu. Als Ergebnis dieser extremen Materialeinsparung beträgt das Gesamtgewicht dieser Pistole nur 1020 Gramm bei ausgezeichneter Handlichkeit der Waffe. Das Eisen des Laufs ist, wie eine Feilprobe bestätigt, durchweg weich.




Mündungsbereich von der Seite. Die Schaftnase wird nur durch ein verhältnismäßig dünnes Eisenblech gebildet, ebenso besteht die Ladestockpfeife nur aus einem rundgebogenen Stück Blech. Beides Maßnahmen zum Vorteil der Gewichtsverteilung.




Vorderes Schaftende von unten nach Herausnahme des Ladestockes. Die Holzstärke zwischen Ladestocknut und Laufbett beträgt nur zwischen zwei und drei Milimetern.



Halbrechte Ansicht der Schlossplatte. Die links des Rades einseitig angeschraubte Radstudel (Radhalterung) weist auf eine Fertigung des Schlosses außerhalb Suhls (in diesem Fall wohl Essen) hin, auch wenn diese Kontruktionsvariante bei Suhler Pistolen der 1620er Jahre bisweilen zu sehen ist. In den Folgejahren wird das Rad Suhler Militärpistolen jedoch meist durch einen in 6-Uhr Position des Rades angebrachten Krampen gehalten.



© Text und Fotos: Peter Engerisser 2007

Bei Bedarf zitieren Sie diesen Beitrag bitte als:
Beschreibung einer militärischen Radschloßpistole aus dem 2. Viertel des 17. Jahrhunderts. Aus: Peter Engerisser: Ausrüstung und Bewaffnung der Armeen des Dreißigjährigen Krieges. URL: http://www.engerisser.de/Bewaffnung/Radschlosspistole2.html

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